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Es hat schon ein bißchen mit dem Blick in die Kugel einer Wahrsagerin zutun, dieser
Wunsch von Technikern, Designern und Architekten, sich ihre Konstruktionen und Entwürfe
so realistisch wie möglich anschauen zu können - bevor sie Realität werden. Und der
Wunsch ist auch verständlich, werden doch an den Reißbrettern (aussterbend) und
CAD-Anlagen (auf dem Vormarsch) vorrangig immer wieder nur Erstlinge entworfen, deren
späteres Aussehen sehr häufig und sehr früh "Laien" (Managern, Banken,
Bauherren,...) anschaulich gemacht werden müssen. Aber nicht nur zu Präsentationszwecken
werden solche Ausblicke in die Zukunft benötigt, sie helfen auch direkt bei der
Konstruktion, indem Details, Anschlüsse, Knoten oder Ecken, in denen z.B. gleich mehrere
Planungsebenen aufeinandertreffen, realistisch dargestellt werden.
Waren es früher vorrangig maßstäbliche Modelle, so wird heute mehr und mehr die
preiswerte Rechenleistung von Computern genutzt, um in Form von Standbildern, Animationen
oder RealTime-Simulationen die Noch-nicht-Realität zu veranschaulichen. Dazu werden
dreidimensional aufgebaute Computermodelle benötigt, die häufig noch ausschließlich
für die Visualisierung aufgebaut werden. Besonders interessant wird die Visualisierung
von Erstlingen mittels Computer aber natürlich dann, wenn die ganze Konstruktion
bereits dreidimensional
erfolgt. Denn einen Vorteil hat ein dreidimensionales CAD-Modell gegenüber dem
altehrwürdigen Knet-, Papp- oder Styropor-Modell auf jeden Fall: es ist früher
verfügbar und reagiert auf Änderung der Konstruktion automatisch (Bild von Animotion, Achim).
Daß solche Darstellungen bis zum Fotorealismus getrieben werden können, ist
inzwischen in allen Publikationen zum Thema ausreichend zu begutachten. So weit muß man
aber gar nicht gehen. Die technischen Möglichkeiten allein, sollten noch lange nicht zur
unreflektierten Er- und Bearbeitung solcher hochwertigen, realitätsnahen Abbildungen
verleiten. Diese können in vielen Fällen eine Mixtur aus Wissen, Erfahrung und
Einfühlungsvermögen voraussetzen, die man sich nicht für ein bis zwei Anwendungsfälle
pro Jahr aneignet. Es können nämlich Techniken und Know-how gefragt sein, die außerhalb
normalen Ingenieurs- und auch landläufigen Computerwissens liegen wie
beispielsweise physikalische Kenntnisse über Lichtbrechung, Reflexionen sowie
Farbenlehre, dann Materialkenntnisse über Oberflächen, Leuchtkörper und Beschaffenheit
von durchsichtigen Stoffen (Glas, Wasser,...), und nicht zu vergessen das Gespür für die
Wirkung von Licht und Schatten. Selbst wenn die neueste Generation von Rendering-Programmen (so
nennt man die Software, die im
weitesten
Sinne bunte Bilder erzeugt) den Anwender hervorragend bei der Bilderstellung unterstützt,
so wird vom Laien eine "Nebenbei-Visualisierung" bewußt oder unbewußt schnell
daran gemessen, was er tagtäglich als Jingles im Fernseher zu sehen bekommt und
die werden von Grafik- und Video-Profis auf spezialisierten Hochleistungs-Computer
errechnet und mit zusätzlicher Videobearbeitung aufgemotzt. Renderings (von
Rendering-Programmen erstellte Bilder und Animationen), die dagegen mit den typischen
Boardmitteln (Zusatzfunktionen des verwendeten CAD-Programm oder Beigaben von
Grafikkarten) auf PCs so nebenbei erstellt werden, können somit auch das Gegenteil von
dem erreichen, was mit der Präsentation eigentlich erreicht werden sollte - das muß
nicht so sein, aber die Gefahr ist gegeben (siehe links). Um Erfolg zu haben, sollten sich
also Art und Umfang einer Visualisierung nüchtern nach deren Zielen und
Zweckmäßigkeiten richten und nicht nach den technischen (aber möglicherweise
nicht beherrschten) Möglichkeiten. Weniger ist dann häufig mehr.
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